Nummer 10 – August 2013

aufruhr 10


AUFRUHR
Nummer 10, Jahr I

Anarchistisches Blatt
Erscheint jeden Monat
Zürich, August 2013


Inhalt:

Mut
An die Arbeiter von EBERHARD
Experiment
Aufstand
Durchsage an die Passagiere
Unruhenachrichten


Als PDF-Datei.


 
 

Mut

Ohne Mut ist keine Revolte möglich. Die Revolte erfordert, eine Schwelle zu überschreiten, und wir wissen im Voraus, dass die Macht einen solchen Schritt kaum schätzen wird. Um diese Schwelle zu überschreiten, müssen wir nicht nur die Ungerechtigkeit der Unterdrückung empfinden, nicht nur von all den Schäbigkeiten angewidert sein, die diese Gesellschaft des Geldes und der Macht durchdringen, sondern müssen wir uns auch trauen.
Ich spreche hier nicht vom Mut wie man ihn oft versteht, vom Mut desjenigen, der zuerst zuschlägt, desjenigen, der seine Muskeln zeigt. Ich spreche vom Mut, sich mit Scharfblick in einem Spiegel zu betrachten, vom Stolz, seine eigenen Ideen zu haben und zu ihnen zu stehen. Mut ist einfach, wenn wir in dieselbe Richtung wie die gesichtslose Masse, die Gesellschaft oder die herrschende Moral gehen. Doch dies ist nicht der wahre Mut: es ist der „Mut“ des Soldaten, der Befehle ausführt, jener des Schafes, das mit der Herde blöckt. Es ist brillieren mit Gehorsamkeit. Was ich unter „Mut“ verstehe, ist, sich zu trauen, gegen die Strömung zu gehen, zu seinen eigenen Ideen zu stehen und nicht vor den logischen Konsequenzen eben dieser Ideen zurückzuweichen. Wenn wir, beispielsweise, gegen die Unterdrückung sind, während wir wissen, dass diese Unterdrückung vor allem vom Staat auskommt (ganz egal, ob sich dieser demokratisch, diktatorisch, volksnah, islamistisch, sozialistisch oder katholisch nennt, denn jeder Staat sperrt ein, bestraft, unterdrückt, kontrolliert, zwingt auf, erpresst, foltert und beutet aus), so können wir zwei Dinge tun. Entweder wir sagen uns, dass wir es mit einem Monster von der Grösse des Staates nicht aufnehmen können, und wir resignieren somit und vergraben unsere Ideen irgendwo; oder wir sagen uns offen: wenn ich gegen die Unterdrückung bin, dann muss ich alles tun, was ich kann, um sie zu zerstören. Und um dies zu tun, müssen wir den Mut haben, auf dieser Idee, auf dieser Überzeugung zu beharren, trotz der eventuellen Repressionen, Gefängnisstrafen, sozialen Ausschliessungen oder Unverständnisse des eigenen Umfelds.
Mut heisst also nicht, grosse Eier zu haben und auf einen Abzug zu drücken. Jeder beliebige kann das tun, und der so verabscheuenswürdige Polizist an erster Stelle. Mut ist, unserem eigenen Weg zu folgen, während wir, mit Wagemut, den Hindernissen entgegentreten, die sich vor uns zeigen. Es ist, das zu tun, was du für richtig, korrekt, konsequent hältst, während dir alle davon abraten; es ist, den Mund zu öffnen, wenn alle ihn schliessen; es ist, das anzugreifen, was uns zu Sklaven macht (die Arbeit, das Gefängnis, die Schule, den Konsum), auch wenn die anderen Sklaven ohne mucksen in ihrer Unterwerfung versinken.
Dies ist, weshalb die Revolte nicht möglich ist ohne diesen Mut, von dem ich spreche, der auch nicht der des Märtyrers ist, der sich aufopfert, sondern der des Individuums, das sein Leben in die eigenen Hände nimmt. Diesen Mut entdecke ich bei anderen Individuen, wenn sie nicht tausend Entschuldigungen herumschleppen, um nichts zu tun, wenn sie nicht die Allmacht des Bosses, des Politikers, des Bullen herbeibeschwören, um die herrschende Passivität zu rechtfertigen, wenn sie sich trauen, sich aufs Spiel zu setzen, um für die Freiheit zu kämpfen, die ihrige und die von allen. Er ist selten, dieser Mut, doch er ist nicht ausser Reichweite, er ist nicht etwas angeborenes. Wenn wir uns auf den schwierigen Weg machen, nachzudenken, zu diskutieren, uns zu bemühen, die Quellen der Ausbeutung und der Unterdrückung zu identifizieren, wenn wir uns von der Revolte anderer Individuen inspirieren lassen, und die Solidarität ertasten, die sich über die Gesetze hinwegsetzt, dann könnte dieser Mut auch unsere Herzen entflammen.


[Der obenstehende Text ist eine Übersetzung aus der Belgischen anarchistischen Zeitung „Hors Service“, und findet sich HIER auf Französisch und Niederländisch.]


 

An die Arbeiter von EBERHARD

 

Das Unternehmen EBERHARD beteiligt sich am Bau des neuen Polizei- und Justizzentrums (PJZ) in Zürich. Wer auf dieser Baustelle arbeitet, macht nicht einfach „nur seinen Job“. Die Abbruch- und Aushubarbeiten beim alten Güterbahnhof tragen dazu bei, ein Projekt der Unterdrückung zu realisieren. Eine Hochburg der Kontrolle und Einsperrung, die für uns, Arbeiter und Arme, vor allem folgendes bedeuten wird:

30 Abteilungen von Polizei und Justiz, um uns besser an die Gesetze zu ketten, die in erster Linie nicht, wie man behauptet, zu unserem Schutz, sondern zum Schutz der Privilegien der Machthabenden und Reichen und zur Aufrechterhaltung unserer Ausbeutung da sind;
300 Gefängnisplätze, um die sozialen Konflikte und „Verbrechen“, die haupsächlich aufgrund dieser Ausbeutung und dieser Ungleichheit entstehen, besser isolieren und wegsperren zu können;
Die Aufrüstung der Bereitschaftspolizei, um die Unruhen und Revolten, in denen sich die Zurückweisung dieser Zustände und das Verlangen nach einer gerechten und freien Welt ausdrücken, besser niederschlagen und ersticken zu können;
Eine Polizeischule, um noch mehr arrogante Bullen heranzuzüchten, die es sich zum Job machen, uns und unsere Kollegen im Namen des Staates zu belästigen, zu erniedrigen, einzusperren und zu verprügeln.

Das PJZ, an dessen Bau sich EBERHARD beteiligt, richtet sich also gegen uns alle, Arbeiter, Arbeitslose, Migranten, Arme,… gegen alle, die in ein immer prekäreres und fügsameres Leben gezwängt werden. Um unsere Ruhigstellung zu sichern, um die Akzeptanz unserer Ausbeutung zu sichern. Um zu verhindern, dass wir nach Wegen jenseits der Gesetzlichkeit suchen und unsere Würde und Freiheit zurück erkämpfen.
Darum, an alle Arbeiter von EBERHARD: Wenn wir nicht die Erbauer unserer eigenen Unterdrückung sein wollen, dann lasst uns die Arbeit auf der PJZ-Baustelle verweigern. Lasst uns diese schändliche Arbeit aufhalten, mit jener Waffe, die seit jeher die unsere ist:

SABOTAGE


 

Experiment

Wir wollen den Bruch mit dieser Gesellschaft. Dieser Gesellschaft, die aus völlig institutionalisierten Beziehungen besteht, die einer kompletten Verwertung durch den Markt ausgesetzt sind, und die uns von der Erfahrung freier Beziehungen abhalten. Wir wollen den Bruch mit dieser Gesellschaft, um ihr ein Ende zu setzen. Und um Platz zu machen für das Experiment. Für das freie Experiment in allen Lebensbereichen und in gesellschaftlichen Ausmassen. Für ein Experiment, das nur in offener Feindschaft mit der herrschenden Gesellschaft (und ihren Verteidigern) möglich ist, die das Experiment nur im abgeschlossenen Rahmen erlaubt, und dies auch nur solange sich damit Geld machen lässt.
Wir sagen, dass freies Leben nur im und durch Experiment möglich ist, ein permanentes Experiment, das die Grenzen der Herrschaft (und der Isolation) sprengt. Auf dem Boden, den uns die herrschende Zivilisation vorsetzt, ist das einzig mögliche freie gesellschaftliche Experiment das ihrer Zerstörung. Der Zerstörung all der Institutionen, die unsere Unterdrückung möglich machen.
Das Experiment, das wir möglich machen wollen, das aber gewissermassen schon heute, in jeder Revolte, sich anbahnt, ist also ein aufständisches und revolutionäres. Der Ausgang eines jeden Experiments ist ungewiss (aber das trifft genauso auf die autoritären Projekte derer zu, die glauben, alles kontrollieren zu können). Mit Experiment meinen wir allerdings eben genau auch, dass der Wert nicht allein im Erfolg liegt, sondern auch im Scheitern, im Scheitern, um zu lernen und weiterzugehen. Dass der Wert im Versuch liegt, im hartnäckigen Versuch.
Das Experiment, das wir im Bruch mit dieser Gesellschaft suchen, ist das der freien Entwicklung jedes Individuums, durch und in der Vereinigung (mit Anderen) und durch die Zerstörung aller Hindernisse, daher: von allem, was Institution ist oder es werden will. Institution, die eben normierte Entwicklung, Herrschaft ist. Das ich oben von gesellschaftlichem Experiment gesprochen habe, meint eben genau, dass so etwas statisches wie die Gesellschaft dadurch unmöglich wird, dass sich niemals so etwas wie Institution und die Passivität, die mit ihr einhergeht, festsetzen kann. Klar tendiert immer alles dazu, sich festzusetzen, statisch zu werden. Was wir brauchen, ist deshalb eine völlig neue Herangehensweise an’s Leben, eine, die keine Institutionalisierung der Beziehungen zulässt. Eine, die die ganze Moral, die Vorurteile, die wir in der Erziehung gelernt bekommen, über Bord wirft. Damit das Feld frei ist für die Individuen. Damit alle die Kraft finden, alles, was sich als weitere Knechtschaft entpuppt, über Bord zu werfen.


 

Aufstand

Wir brauchen die Umstände nicht zu akzeptieren, die uns aufgezwungen werden. Auch nicht die herrschenden Spielregeln, um etwas daran zu ändern. Wir brauchen bei niemandem um Zugeständnisse zu betteln. Wir haben die Fähigkeit, zu rebellieren. Wir haben die Möglichkeit, uns hier und jetzt zu besorgen, was wir wollen. Dazu brauchen wir keine weitere Rechtfertigung, als die Wut darüber, dass man uns die Freiheit raubt.
Wir brauchen keine Politiker, Parteien und Organisationen. Wir können unsere Kämpfe selber organisieren. Wir müssen unsere Würde nicht in Verhandlungen verkaufen, wir können mit unseren Unterdrückern in Konflikt treten, und zwar ohne Kompomisse. Wir brauchen nicht zu warten und an andere zu delegieren. Wir haben die Möglichkeit, eigenhändig und konkret das anzugreifen, was uns das Leben vermiest.
Es ist eine alte Sache. Und doch, gerade heute steht sie wieder stolz und mutig vor der Tür. Sie springt von Land zu Land, hinterlässt ihre Spuren und rüttelt die Gemüter auf. Sie ist seit jeher der Schrecken jener, die befehlen und ausbeuten wollen. Und seit jeher die Waffe jener, denen es nach Freiheit verlangt.
Wir können auf diese Waffe zurückgreifen, wenn wir wirklich beenden wollen, was uns aufgezwungen wird. Wenn wir die Projekte verhindern wollen, deren einziges Ziel unsere Ausbeutung und Unterdrückung ist. Hier in Zürich will man uns ein neues Polizei- und Justizzentrum (PJZ) aufzwingen. Wenn wir den Bau dieser Hochburg der Kontrolle und Einsperrung wirklich verhindern wollen, dann lasst uns die herrschenden Spielregeln verwerfen, unserem Mut und unserer Wut Platz machen und, gemeinsam und verstreut, dagegen in Aufstand treten!

Lasst uns, wie damals in Uster, zu zerstören wissen, was unsunterdrückt


 

Durchsage an die Passagiere

Wir sind es alle. Wir durchqueren dieses Leben auf der Erde, im Wissen, dass wir nur vorübergehende Passagiere sind. Auch weil wir das Steuer nicht in den Händen halten, das die Reise unseres Lebens lenkt, kontrollieren wir weder seine Geschwindigkeit, noch seine Dauer, noch seine Bestimmung. Wir durchleben diese Erfahrung, die einzige, die wir haben, während wir uns bestenfalls damit zufriedengeben, aus dem Fenster zu schauen. Wie Passagiere eben. Wohl wissend, dass nichts ewig andauert, dass man früher oder später an der Endstation ankommt und aussteigt.
Wir haben gelernt, dass das Glück ein vorübergehender Zustand ist. Früher oder später verschlechtern sich die menschlichen Beziehungen, führt uns das morgendliche Erwachen wieder zurück in die alltäglichen Zwänge, hinterlassen die Enttäuschungen ihre schmerzhaften Wunden. Und das Glück schwindet dahin.
Wir haben gelernt, dass die Liebe eine flüchtige Freude ist. Früher oder später springt das Herz nicht mehr wie verrückt, zerbricht der Zauber der Blicke, wird das Verlangen schwächer. Und die Liebe endet.
Wir haben gelernt, dass das Vertrauen eine widerrufbare Entscheidung ist. Früher oder später werden die Versprechen nicht gehalten, werden die Programme nicht respektiert, kommen die Lügen ans Licht. Und das Vertrauen macht sich davon.
Wir haben gelernt, dass der Frieden ein unsicherer Wert ist. Früher oder später wird ein Demonstrant auf der Strasse niedergeprügelt, wird ein Pendler von einem Zug zerfetzt, wird ein Zivilist in seinem Haus bombardiert. Und der Friede ist vorbei.
Wir haben gelernt, dass die Arbeit eine temporäre Beschäftigung ist. Früher oder später wird die Technologie erneuert, wird der Sektor gesättigt, tritt der Markt in Krise. Und die Arbeit ist zu Ende.
Wir haben gelernt, dass unser ganzes Leben vorläufig und prekär ist. Wir können die Bilder, die vor dem Fenster vorbeiflitzen, nicht selber aussuchen, und auch nicht, wer sich neben uns setzt. Es passiert, was passiert; unnütz, zu protestieren, und ausserdem ist es verboten, mit dem Chauffeur zu sprechen. Dies ist, weshalb uns nichts von dem, was passiert, zu berühren scheint. Wenn die Passagiere eines öffentlichen Verkehrsmittels stumm und regungslos jeder Aggression beisitzen, so sitzen die Passagiere des Lebens stumm und regungslos jedem Missbrauch bei. Anstatt uns dazu anzuspornen, unsere Verlangen hier und jetzt zu verwirklichen, eilig, bevor es zu spät ist, hat uns die Vergänglichkeit unseres Lebens blind, unempfindsam und resigniert gemacht.
So wundert es uns nicht einmal, wenn wir erfahren, dass auch die Freiheit eine provisorische Bedingung ist. Ja, auch die Freiheit. Was einst der Hauptgrund war, wofür man lebte, kämpfte und starb, hat heute die Züge eines Privilegs angenommen, das für die wenigsten unentbehrlich, und für die meisten überflüssig ist. Früher oder später kann es allen geschehen, zu sprechen, zu lieben, zu protestieren, zu leben, ohne dafür bei den zuständigen Personen um Erlaubnis zu fragen. Und mit der Freiheit ist es vorbei. Zumindest für jene, die, müde, den vorbeifahrenden Zuschauer zu spielen, um jeden Preis aus der sozialen Maschine aussteigen wollen, die auf eine Fahrt losgeschickt wurde, die sie nichts angeht. Schliesslich für jene, die darauf beharren, zu denken, dass die Freiheit noch immer der Hauptgrund ist, wofür es zu leben und zu kämpfen gilt.
Allen anderen wünschen wir eine angenehme Fahrt. Und vergesst nicht, eure Tickets abzustempeln.


[Der obenstehende Text ist die Übersetzung eines Flugblatts, das in Italien verteilt wurde, und findet sich HIER auf auf Italienisch.]


 

Unruhenachrichten

 

Die naiven PJZ Gegner…

Ein illegales Konzert lockte am Abend des 22. Augusts mehrere hundert Personen auf das Areal des alten Güterbahnhofs, wo die Bauarbeiten für ein neues Polizei- und Justizzentrum begonnen haben. Einige Individuen nutzten die Gelegenheit, um Flugblätter zu verteilen, Plakate zu kleistern und Parolen zu sprayen, die den Vorschlag eines direkten und selbstorganisierten Kampfes gegen das PJZ verbreiten. Ein Vorschlag, der, wie scheinbar gewisse der Organisatoren zur Presse meinten, „so naiv“ ist, zu glauben, dass sich dieser Bau tatsächlich noch aufhalten lässt. Ein Vorschlag, der sich von Sabotageakten nicht distanziert, sondern sie offen ermutigt, als ein Mittel für alle, die genug von den politischen Betrügereien haben. So meint die Presse, „sei die Firma, die den Güterbahnhof abreisst (Eberhard), in den letzten Monaten zum Ziel von mehreren Vandalenakten geworden.“ Auch die Baustelle des PJZ selbst sei an diesem Abend schon zum dritten Mal mit Sprayereien bedeckt worden. Diesmal ist von der Hardbrücke aus in grossen Lettern zu lesen: „Zerstören wir, was uns unterdrückt! PJZ Niemals!“, während anderswo geschrieben steht: „Das PJZ wird auch zu deiner Unterdrückung sein.“, und: „Weder Politiker noch Parteien, organisieren wir uns selbst!“
Nun, dann lasst uns weiterhin naiv bleiben, und, entgegen jedem demokratischen Menschenverstand, hartnäckig und eigenhändig gegen den Bau dieses schändlichen Projektes kämpfen. Vergessen wir das Gequatsche der Medien und Politiker, seien sie parlamentarisch oder „von der Bewegung“, und lasst uns diesen sozialen und aufständischen Kampf beleben. Wir alle können, selbstorganisiert und vertreut, die verschiedenen Interessen aufzeigen und angreifen, die hinter diesem Bau stehen.
Und schliesslich, bleibt sich zu fragen, was eine solche Anzahl Menschen, wie sie sich an diesem Abend versammelte, auf dem Baugelände des PJZ-Areals anstellen könnte, wenn sie diesen Bau tatsächlich aufhalten will…

Geld oder Leben

Ein 21-jähriger Junge ist am 1. August gestorben. An diesem Tag, während der Grossteil der Schweizer Bevölkerung ihren grossartigen Staat hochjubelte, hat er versucht, den eisernen Fängen eben dieses Staates zu entkommen. Er hätte wohl kaum das Geld gehabt, um es mit solch unterwürfigen Feierlichkeiten zu verschleudern. Er sass wegen eines Banküberfalls in Untersuchungshaft. Sein Versuch, sich das, was ihm fehlt, dort zurückzuholen, wo es sich die Ausbeuter im Übermass anhäufen, musste er mit seiner Freiheit bezahlen. Sein Versuch, sich die entrissene Freiheit zurückzuholen, musste er mit seinem Leben bezahlen. Der Preis einer Welt des Geldes und der Macht. Die Umstände seines Todes sind dann auch ziemlich… dubios. Die Ermittler meinen nun, einige Wochen später, es habe sich „mit grosser Wahrscheinlichkeit um Suizid“ gehandelt. Aha. Erklärt wird das wie folgt: Als der Untersuchungshäftling nach einem Arztbesuch die Flucht ergriff, geriet er mit einem Polizisten in ein Gerangel, dabei habe er diesem die Waffe entrissen, um sich dann… selbst in den Kopf zu schiessen. Und das Feuerwerk glitzerte über diesem neuen Streich des hochgejubelten Staates.

Glencore“

Es ist eines der grössten Unternehmen der Schweiz, das auf der ganzen Welt ausbeutet. Ihre Arbeiter genauso rücksichtslos wie die Rohstoffe, mit denen es handelt. Ein 18-jähriger Mann wollte sich gegen diesen Riesen wehren. Anfangs Juni schüttete er in Baar Benzin vor einen seiner Sitze. Er wurde gesehen und rannte davon. Auf der Flücht wurde er von der Polizei verhaftet, wobei sich ein Schreckschuss aus der Pistole löste, die er bei sich trug.
Wir wünschen dem Jungen Kraft und Mut!

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